Rwanda Raining

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in meinem Zimmer im Lweza Trainings and Conference Center in der Nähe von Kampala/Uganda. Es ist 8:30 morgens, und ein kräftiger Tropenregen ist an diesem Morgen niedergegangen. Vermutlich wird der Regen innerhalb der nächsten Stunde aufhören, der Himmel ist möglicherweise noch eine Weile bedeckt, aber dann wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sonne für den Rest des Tages scheinen. Das nennt man in Uganda Regenzeit.

Wenn es in Rwanda regnet, kann der Regen auch schon einmal drei Tage anhalten. So habe ich es jedenfalls am vergangenen Wochenende erlebt. Tatsächlich stammen 25 Prozent des Wasserzuflusses des Viktoriasees aus dem kleinen Rwanda. Da Rwanda darüber hinaus fast ausschließlich aus Hügelland besteht, gibt es viele Flüsse, die zur Stromerzeugung genutzt werden.

Über einen Kontakt, den ich in Kigali hatte, lernte ich einen freien Mitarbeiter der niederländischen SNV kennen, die vergleichbar mit der deutschen GIZ ist. Von ihm lernte ich, dass nur 19 % der rwandischen Bevölkerung über einen Stromanschluss verfügen. Damit liegen sie noch gut über dem Durchschnitt in Sub-Sahara-Afrika, der bei ca. 15 % geschätzt wird. Die vielen fließenden Gewässer, über die das Land verfügt, sind eine große Chance, den Bedarf durch Kleinstwasserkraftwerke (Pico Hydro Plants – PHP) zu decken. Die Leistung dieser Anlagen rangiert 0,8 bis 50 Kilowatt.

Ich lernte auch, wie der Weg zum Bau eines PHP aussieht. Der erste Schritt ist eine Bedarfsanalyse. Wieviele Haushalte, wieviel Personen, wieviel Schulen, etc. Üblicherweise wird diese Aufgabe von NGOs (Non Government Organization) übernommen, die mit einem sozialen Auftrag in diesem Gebiet unterwegs sind.

Danach folgt eine Machbarkeitsstudie. Es muss berechnet werden, wieviel Energie durch einen Flusslauf nutzbar ist. Auch sind die Alternativen Wasser und Sonne zu vergleichen. Die Kosten für eine Kilowattstunde sind in ähnlicher Höhe. Die Investitionskosten für Wasserenergie sind recht hoch, benötigt wird ein Staudamm, eine Turbine, ein Generator, sowie weitere Anlagen, um den Strom in die richtige Spannung zu transformieren. Photovoltaik benötigt hingegen ein paar Solarpanels, die sehr preiswert sind, einen Konverter und Batterien zu Speicherung. Letztere sind die Kostentreiber in den Betriebskosten eines Solarkraftwerks, da sie in der Regel alle ein bis zwei Jahre ausgewechselt werden müssen. Die Nutzbarkeit eines Solarkraftwerks ist außerdem sehr vom Wetter abhängig, und in Rwanda scheint nicht immer die Sonne.

Sind Bedarf und Machbarkeit festgestellt, muss die Finanzierung gesichert werden. Damit ein PHP-Projekt förderungswürdig ist, müssen 30 % der Investitionskosten durch diejenigen erbracht werden, denen das Kraftwerk zu Gute kommt. Das kann zum Beispiel durch Anteilsscheine geschehen, die später zu einem ermäßigten Verbrauchstarif berechtigen. Der Rest wird durch Beteiligungen aus der Privatwirtschaft sowie über Zuschüsse finanziert. Insbesondere der Anteil der lokalen Bevölkerung erfordert viel Überzeugungsarbeit, weil es keinen Gebietsschutz für das Versorgungsgebiet gibt. Die Genehmigungen werden für einen bestimmten Flussabschnitt erteilt, die Versorgungsfläche ist nicht definiert, sodass es zum Konkurrenzkampf kommen kann.

Im Zuge dieses sehr informativen Gesprächs, das in einem Café stattfand, wurde ich an einen weiteren Experten weitergeleitet, der bei der GIZ arbeitet. Am nächsten Tag fand ich mich in einem Großraumbüro im 9. Stock des Kigali City Towers, der auf der Spitze des zentralen Hügels der Stadt erbaut worden ist. Die GIZ ist weltweit tätig, um staatliche Förderung mit privatem Investment zu verbinden. In Kigali gibt es eine Institution namens EWDEV – Energy & Water Development, die mit 23 internationalen Organisationen zusammenarbeitet. Führend in diesem Programm ist die GIZ. Seit 2010 wurden über dieses Programm 4 Projekte im Micro-Bereich (100KW bis 1MW) realisiert. Im August 2014 wurden 9 weitere Projekte ausgeschrieben, die inzwischen im Bau sind. Im Dezember 2014 werden weitere 9 Projekte ausgeschrieben. Die Bedingungen für eine erfolgreiche Bewerbung sehen ein Eigenkapital von mindestens 15% vor. Gefördert werden durch die GIZ bis zu 50%. Der Rest kann über Kredite finanziert werden.
Auch die GIZ fördert PHP im Bereich bis 100 KW mit bis zu 70 %. Allerdings wird der Zuschuss erst dann gezahlt, wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen ist. NGOs sind von dieser Förderung ausgeschlossen, wenn sie bereits eine andere staatliche Unterstützung erhalten, z.B. durch Anerkennung der Gemeinnützigkeit.

Zwei weitere Begegnungen in Kigali sind erwähnenswert. Ich lernte zwei Mitarbeiter der Firma Solarkiosk aus Berlin kennen, die es Kleinunternehmern in Afrika ermöglichen, einen kleinen Laden zu betreiben, mit dem sie im besten Sinne des Wortes u.a. Strom verkaufen.

Die freundlichste Begegnung hatte ich mit einem deutschen Berater im Ruhestand, der mich eines Tages in seinem wunderschönen Eigenheim, das er mit seiner rwandischen Ehefrau und zwei Kindern bewohnt, bewirtete. Später zeigte er mir eine Kooperative, die – durch ein Projekt der SNV gefördert – effiziente Holzöfen für den Hausgebrauch mit sehr einfachen Mitteln produziert. Diese Öfen sind für jedermann erschwinglich. Mit seinem Projekt wurden Vertriebswege und Trainings für die sachgerechten Gebrauch entwickelt.

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